In unserer Serie 10 Fragen wollen wir in unregelmäßigen Abständen Mitglieder aus der designenlassen.de-Community vorstellen. Für diese kleinen Interviews wählen wir Menschen aus, die auf designenlassen.de besonders aktiv sind und sich durch ihre gute Arbeit hervortun.
Heute steht uns smik Rede und Antwort.
Seit wann bist Du als
Grafikdesigner tätig?
Eigentlich schon seit meiner frühesten Kindheit ;-) Ich habe mir schon als 12 Jähriger mit Lineal und Tusche selbst entworfene Logos in Hand- und Millimeterarbeit direkt auf meine Klamotten designed. Besonders stolz war ich auf mein selbst entworfenes streng geometrisches MC HAMMER Logo, dass ich mir auf den Rücken einer weißen Baseball-Jacke gezeichnet habe. Leider habe ich heute weder die Jacke noch ein Foto davon. Später habe ich dann ziemlich lange Graffitis (v.a. 3D Graffiti) gezeichnet und mich auch viel mit Kalligraphie befasst. Vom Schulmäppchen bis zum Rucksack habe ich alles mit meinem Tag “smik” beschmiert. 2001 habe ich dann mein Hobby zum Beruf gemacht und bin nun seit 4 Jahren mit einer kleinen Agentur selbständig. Insgesamt sind es jetzt also über 9 Jahre professionelle Tätigkeit.
Du hast bei designenlassen.de schon mehrere Wettbewerbe gewonnen. Was ist Dein „Erfolgsrezept“?
Ich glaube bei designenlassen würde kein Rezept helfen um mehr oder weniger zu gewinnen. Die Kunden die Ihre Designs hier erstellen lassen entscheiden oftmals nach ihrem Geschmack und nicht nach professionellen Kriterien. Deshalb kommt es nicht selten vor, dass ich nach einer Gewinnerwahl dasitze und nicht fassen kann, welches Design das Rennen gemacht hat. Insofern ist es hier eher eine Glückssache zu gewinnen, die Qualität scheint nicht unbedingt ein Siegkriterium zu sein, was ich unterm Strich sehr schade finde. Dabei rede ich natürlich nicht in erster Linie von meinen eigenen Designs, sondern auch von den Designs meiner Mitstreiter, die hier tlw. richtig hochkarätige Designs abliefern. Da ist es schon recht anspruchsvoll mitzuhalten geschweige denn eins drauf zu setzen.
Welche Erfahrungen hast Du insgesamt mit designenlassen.de gemacht?
Hierzu könnte ich ein ganzes Buch schreiben obwohl ich noch nicht mal ganz ein Jahr dabei bin. Am 28.05. hab ich übrigens Jahrestag, falls mir jemand gratulieren will 
Nein, im Ernst es gibt vieles das man erzählen könnte und nicht alles wäre schön zu lesen.
Um mal ein paar Schlagworte herauszugreifen:
- Designklau bzw. Urheberrechtsverletzungen
Nicht jeder den einen Rechner hochfahren kann ist gleich Grafikdesigner! Dass dieses Portal Leute anzieht, die wenig bis nichts können und dann auf den schnellen Euro hoffen indem sie fremde, gut bewertete Designs kopieren oder nachahmen ist klar. Noch dreister und schlimmer ist jedoch das Klauen von bereits bestehenden Logos oder Stock-Icons die dann als eigenes Werk ins Rennen geschickt werden. Leider werden solche Leute seitens der Portalbetreiber nicht konsequent ermahnt und/oder im Wiederholungsfalle gesperrt. Das trübt leider mitunter den Spaß hier mitzumachen.
Ich gehöre auch zu denen die die Preispolitik auf diesem Portal kritisieren. Klar kann man immer sagen, es steht jedem frei mitzumachen oder nicht, wenn ihm die Preisgelder zu wenig sind. Ich sehe das aber etwas differenzierter, denn die hier gebotenen Preisgelder gepaart mit dem tlw. hohen Niveau der Designs zerstören unseren Berufsstand. Wenn man einem Logo ansieht, dass es nur 200 EUR gekostet hat ist das ok, denn dann wissen die Kunden, dass Sie mehr ausgeben müssen, wenn Sie etwas besseres wollen. Doch “leider” sind manche Logos hier so gut, dass es aus Kundensicht nur logisch ist, das Logo hier machen zu lassen, müssten sie doch in einer Agentur eine Null ranhängen und bekämen im Zweifelsfall unterm Strich auch nichts signifikant besseres. Für Designer, die mit dieser Arbeit ihre Brötchen verdienen müssen ist das über kurz oder lang Existenz gefährdend. Irgendwann wird es soweit kommen, dass kaum jemand mehr eine Agentur direkt beauftragt, sondern seine Kommunikationsmittel nur noch über solche Portale bestellt. Leider gibt es dann für uns Designer keine Alternative mehr als auch mitzumachen, oder vor die Hunde zu gehen.
Ich vermisse definitiv die garantierte Abnahme eines Designs durch den Auftraggeber, denn bei ca. der Hälfte meiner Projektteilnahmen gab es keinen Sieger, obwohl die Designs durchaus gut waren. Hier liegt die Vermutung nahe, dass das Portal als billige Ideenfindungstool missbraucht wurde. Auf vergleichbaren Portalen gibt es eine solche Funktion, dort wird nahezu jedes Projekt abgeschlossen. Dadurch fühlt man sich als Designer nicht so ausgebeutet.
Welche Chancen bietet Dir als Freiberufler designenlassen.de?
Die Antwort auf diese Frage ist zugleich der einzige Grund, warum ich bei designenlassen überhaupt mit mache. Ich habe reale Projekte mit einem realen Bedarf und habe im Falle des Wettbewerbsiegs die Chance auf Folgeaufträge.
Konntest Du durch die gewonnenen Wettbewerbe bei designenlassen.de schon Folgeaufträge generieren?
Yep, wie schon bei der vorigen Frage beantwortet. Erfreulich ist hier, dass die Kunden in den Folgeaufträgen bereit sind realistischere Preise für meine Leistung zu bezahlen. Teilweise habe ich den Eindruck, dass die Kunden froh sind endlich einen Ansprechpartner für Ihre Designaufgaben gefunden zu haben und keine Lust haben weiter zu suchen. Tatsächlich habe ich aus fast allen Siegen bei designenlassen neue Kunden gewonnen. Jetzt habe ich deutschlandweit und sogar europaweit verteilt Kunden, die ich nie persönlich kennen gelernt habe und trotzdem laufen die Projekte in der direkten Zusammenarbeit super.
Wie sieht der Prozess der Entwicklung eines neuen Designs bei Dir aus, nachdem Du das Briefing eines Auftraggebers gelesen hast?
Das hängt ganz vom jeweiligen Projekt ab. Manchmal hat man sofort eine Eingebung, manchmal kann man endlich Ideen verwirklichen, die nur auf so einen Auftrag gewartet haben und manchmal sitzt man da und grübelt über einen guten Ansatz und kommt einfach auf keine passende Idee. Meine Tastatur klappert beim Tippen auch dauernd auf den Tisch weil darunter Stapel von Schmierblättern liegen, die voller Skizzen, Scribbles und Notizen sind, die in der Ideenfindungsphase entstanden sind. Sollte vielleicht mal die Blätter archivieren, aber manchmal komme ich von früheren Schmierereien auf neue Ideen, daher wird die Tastatur wohl weiter klappern müssen ;-))
Gibt es einige „Lieblingsdesigns“ unter Deinen Arbeiten, auf die Du besonders stolz bist?
Ja klar! Also auf mein AgeSpa-Logo bin ich ziemlich stolz, auch wenn nicht die Variante gewonnen hat, die ich persönlich am besten fand. Aber Hauptsache ich habe den Wettbewerb überhaupt gewonnen. Mein Favorit wäre dieses Logo gewesen:
http://www.designenlassen.de/wettbewerb/474969/designs/124_591635.jpg
Ansonst habe ich natürlich noch viele andere Arbeiten, die im Rahmen von designenlassen entstanden sind, auf die ich stolz bin. Viele davon sind in meinem Portfolio zu sehen, auf das ich sowohl von Mit-Designern als auch von Kunden immer wieder angesprochen werde.
Was sind die größten Herausforderungen im Alltag eines Kreativen?
Immer kreativ sein zu müssen. Manchmal hat man Phasen, da ist man als Kreativer blockiert. Den Kunden interessiert das nicht, er erwartet zu Recht immer Höchstleistung, da ist man dann permanent unter Strom. Aber unterm Strich macht trotzdem unendlich viel Spaß in diesem Beruf zu arbeiten, der für mich mehr Passion als Arbeit ist.
Welchen Rat kannst Du jungen Menschen geben, deren Berufsziel es ist, Designer zu werden?
Nach der vorigen Antwort würde man versucht sein, sich die Antwort selbst zu geben, aber da muss ich euch leider enttäuschen. Das Business ist hart und wird immer härter. Um sich in Zukunft ein Auskommen mit diesem Beruf zu verdienen, muss man verdammt hart arbeiten. Der Preiskampf wird immer radikaler und bald sind Preise wie bei designenlassen das höchste der Gefühle, was man auf dem freien Markt mit Grafikdesign noch verdienen kann. Die goldenen Zeiten sind für immer vorbei und ein ganzer Berufsstand muss sich nun ernsthafte Gedanken machen, wie es weiter gehen soll. Die Krise in der Webebranche ist existenziell geworden und so manche gestandene Agentur hat in den letzen Wochen und Monaten den Kampf verloren. Daher würde ich aus meiner heutigen persönlichen Sicht niemandem raten Designer zu werden, wenn er nicht für diesen Beruf sterben würde, denn er könnte eines Tages aufwachen und merken, dass er nicht mehr gebraucht wird. Bei mir ist es leider schon zu spät, ich muss das jetzt durchziehen, schließlich kann ich nichts anderes! ;-)
Möchtest Du uns sonst noch etwas mitteilen?
Danke, dass ihr Interesse an meiner Meinung hattet und meine Arbeit schätzt. Wenn Ihr das Portal noch Designer-freundlicher machen würdet (Stichwort: Nutzungsvertrag/Durchsetzung des Hausrechts beio offensichtlichen Betrugsversuchen etc.) dann wären wir Designer sehr dankbar!