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Neu im Blog: Rar, vergessen oder gar malträtiert – das Los der seltenen Satzzeichen

Wir lieben Kommas, übertreiben es manchmal mit den Ausrufezeichen und kaum ein Satz endet nicht mit… Wir basteln uns Smileys aus Satzzeichen als Ausdruck unserer Emotionen, nennen uns vor unseren Kunden Meister der Typografie und wissen immerhin, wie man wörtliche Rede richtig setzt. Aber es gibt auch Satzzeichen, von denen wir noch nie gehört haben, oder die wir schlicht nicht richtig verwenden. Deshalb gibt es jetzt und hier eine kleine Satzzeichenkunde!

#1 Semikolon

semikolon

Der Strichpunkt oder auch das Semikolon – übrigens wörtlich das „halbe Kolon“, der halbe Doppelpunkt – eignet sich perfekt, um zwei Hauptsätze zu verbinden, bei denen der Punkt zu final und das Komma zu unverbindlich erscheint. Es schließt den Satz nicht ab, bringt aber Struktur und Atempausen hinein. Aussagen werden zu einer Einheit verknüpft, ohne dass solche Schachtelsätze entstehen, die unseren Lehrern zu Schulzeiten die Haare zu Berge stehen ließen. Dazu kann man wunderbar lange Aufzählungen ordnen und strukturieren. Aber aus irgendeinem Grund findet das Semikolon selten den Weg in unsere Sätze. Woran mag das liegen? Weil wir bei seiner Verwendung erst über den richtigen Satzbau nachdenken müssten, und lieber schnell aus dem Gefühl heraus schreiben? Immer weniger Leute kennen es und seine Regeln; selbst jene, die es kennen, benutzen es kaum. Das Semikolon erfordert nun mal etwas Sprachgefühl. Wenn wir in Zukunft einmal an einem schönen Text sitzen, der etwas mehr Hirnschmalz als sonst abbekommt, könnten wir ja in Erwägung ziehen an das Semikolon zu denken.

#2 Apostroph

apostroph

Es ist eine Schande mit dem Apostroph. Klar, vergessen ist er noch lange nicht, aber dafür seine korrekte Verwendung. Da, wo er gesetzt werden soll, tut es keiner und das mit der neuen Rechtschreibung auch noch ganz legal – dafür wird er an anderen Stellen drangehängt, dass es kracht. Daher hier die Regeln im Schnelldurchlauf: Gesetzt werden muss ein Apostroph bei Auslassungen im Wortinneren („M'gladbach“) und bei der Kennzeichnung des Genitivs von Namen, die auf „s“ enden („Hans' und Max' Mutter“). Gesetzt werden kann er dort, wo ein „es“ zu einem „s“ abgekürzt wurde („Wie geht's?“), muss er aber laut Rechtschreibreform nicht mehr. Auch eingesetzt werden kann er, wenn ein unbestimmter Artikel abgekürzt wird („So 'n Blödsinn!“). Und grauenvoll, aber wahr: Man darf jetzt offiziell den Genitiv verhunzen und um Eigennamen zu betonen Bellini's Bar und Willi's Weinkontor schreiben. Auch wenn das Herz dabei blutet – der Duden billigt es. Machen ja eh schon alle so, da ist nachgeben einfacher. Diese Unsitte hat sich aus dem Westen eingeschlichen, denn in den USA ist diese Schreibweise korrekt. Nicht mehr verwenden soll man den Apostroph beim weggefallenen „e“, zum Beispiel am Ende eines Verbs („Heute back ich.“) oder am Ende eines Imperativs („Lass es!“). Absolut böse ist es, ihn bei der Verschmelzung von bestimmten Artikeln und Präpositionen zu setzen („aufs Dach, unterm Tisch“), ebenso bei Plural-s („Autos, CDs“) und natürlich bei allen generell auf „s“ endenden Wörtern („allseits, stets, eigens“). Wer das macht, dem gehört die Tastatur weggenommen!

#3 Asterismus

asterismus

Selten geworden ist dagegen der Asterismus (⁂) – oder hat schon mal jemand von ihm gehört? Man sieht ihn hin und wieder, aber achtet kaum auf die kleinen Sternchen, sehen sie doch ein wenig nach Dekoration aus. Der Asterismus besteht aus drei Sternchen, die dreieckig angeordnet sind. Man findet ihn in Textverarbeitungsprogrammen manchmal unter dem Wort Sterngruppe, der Unicode ist U+2042. Man benutzt den Asterismus, um in einem Text ein Unterkapitel zu kennzeichnen, oft werden hierfür aufgrund seiner Unbekanntheit auch einfach drei Sternchen nebeneinander verwendet (***). In HTML verwendet man anstatt dessen das Doppelkreuz (#) als Sprungmarke für Anker. Mutige, die den Asterismus nun einsetzen wollen, sollten aber achtgeben: Nicht verwechseln mit dem ähnlich aussehende Zeichen , welches in mathematischen Beweisen als Kennzeichnung einer logischen Konsequenz verwendet wird! Logisch, oder?

#4 Absatzzeichen

absatzzeichen

Dieses Zeichen (¶) kennen wir aber nun wirklich, denn es ist immer da und manchmal sogar eine Hilfe. In unseren frühen Anfängen, als wir in unseren ersten Textverarbeitungsprogrammen auf eine falsche Taste kamen und das ganze Dokument voller Absatzzeichen war, verfluchten wir es noch – inzwischen erachten wir es doch hin und wieder als ganz sinnvoll, vor allem um zu prüfen, ob an besagter Stelle nun ein Absatz oder doch nur ein einfacher Zeilenumbruch ist. Denn das Absatzzeichen – man glaubt es kaum – markiert das Ende eines Absatzes; sein Unicode ist U+00B6. Die Festlegung des Absatzendes ist wichtig für die programmspezifischen Absatzformatierungen wie Einrückung, Zeilenabstand, Ausrichtung oder Nummerierung: Diese gelten jeweils für mindestens einen Absatz. Allerdings wird es leider nie gedruckt, seine Arbeit findet im Verborgenen statt. Anders im Mittelalter, wo es zum Trennen von gedanklichen Einheiten im Text verwendet wurde, zum Beispiel in Liedern am Ende einer Strophe. Mit mehr Zeilenabstand getrennte Absätze gab es nicht: Weißraum und somit Papier war immerhin ziemlich teuer.

#5 Ironiezeichen

ironiezeichen

Ein wirklich tolles Zeichen, welches leider so gut wie nie verwendet wird, ist das Ironiezeichen. Es wird meist durch ein leicht abgewandeltes oder gespiegeltes Fragezeichen dargestellt. Man kann mit ihm die ironische Bedeutung eines Satzes hervorheben und verdeutlichen. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem französischen Dichter Alcanter de Brahm alias Marcel Bernhardt vorgeschlagen, aber erst 1966 von dem Schriftsteller Hervé Bazin aufgegriffen, allerdings verwendete dieser eine etwas andere Form. Wiederum ein ähnliches Zeichen, welches die Ironie in Sätzen zum Ausdruck bringen sollte, wurde Anfang 2007 von der niederländischen Stiftung CPNB (Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek) vorgestellt. Leider hat es, vielleicht auch wegen dieser uneinheitlichen Entstehung, keines der Ironiezeichen in unseren „Wortschatz“ geschafft. Einerseits schade, da aufgrund des hohen Erfindungsschatzes auf dem Gebiet der Bedarf vorhanden scheint – andererseits besteht der Sinn von Ironie auch irgendwie darin, zwischen den Zeilen zu lesen. Das Ironiezeichen hingegen löst die Dissonanz zwischen Aussage und Sinn auf und verdirbt dadurch den spöttelnden Aspekt. Und man kann ja davon ausgehen, dass in unserer Gesellschaft jeder so empathisch und feinfühlig ist, dass er Ironie sofort erkennt.

#6 Interrobang

interrobang

In eine ähnliche Kategorie gehört auch das Interrobang (‽), auch Fragerufzeichen genannt. Es ist selten und leider hierzulande nicht in Verwendung, auch wenn es oft sinnvoll erscheint. Immerhin vereinigt es die Funktionen eines Fragezeichens und eines Ausrufezeichens – optisch liegen sie im Interrobang genau übereinander. Ein Interrobang am Ende einer Frage soll zeigen, dass sie mit Nachdruck gestellt wird („Wie viel hast du ausgegeben‽“). Wir lösen dieses Problem oft – und umgangssprachlich – indem wir ein Fragezeichen und ein Ausrufezeichen hintereinander stellen („Was hast du gesagt?!“). In den 60ern wurde dieses Defizit mit der Erfindung des Interrobangs von Martin K. Speckter, Chef einer US-amerikanischen Werbeagentur, gelöst. Werbetexter sollten mit nur einem Zeichen den überraschten Charakter solcher Fragen transportieren können. Daraufhin war es vor allem in den 70er Jahren in Mode, wurde in Wörterbücher und Schriftsätze aufgenommen und in Magazinen benutzt. Leider etablierte es sich weder nachhaltig in der amerikanischen Alltagstypografie, noch fand es je so richtig den Weg über den Ozean – aber es hält sich zäh in den Schriftsätzen und ist noch lange nicht ausgestorben.

#7 Geviertstrich

geviertstrich

Wir kennen wohl am besten den Bindestrich (-), welcher ein Viertelgeviertstrich ist – oder den Gedankenstrich (–), seinerseits ein Halbgeviert. Aber den Geviertstrich (—), welcher somit ein ganzes Geviert lang ist, verwenden wir nie. In England und Spanien wird er als Gedankenstrich gehandhabt. Hierzulande kann er dazu dienen, einzelne Elemente einer Aufzählung voneinander zu trennen. Da bei den meisten Schriftarten eine Null ein Halbgeviert breit ist, wird er manchmal auch bei Geldbeträgen hinter dem Dezimalkomma gesetzt (25,— €), auch wenn hier laut Regeln der Halbgeviertstrich korrekt wäre. In Tabellen oder Formularen kann der Geviertstrich der Kennzeichnung von Feldern ohne Eintrag dienen, zudem hilft er in Listen bei der Einsparung sich wiederholender Wörter. Aber in einer Welt, in der sogar schon oft Gedanken- und Bindestrich miteinander verwechselt werden, kann man nicht auch noch erwarten, dass ein dritter Strich ordentlich verwendet wird. Viele empfinden ihn auch als „zu lang für gute Typografie“, da er recht große optische Löcher in einen Text reißt. Schade eigentlich.

Das war sie, die Sammlung der Satzzeichen, die in Vergessenheit geraten sind; oder zumindest ihre richtige Verwendung. Wer bei Kollegen oder Mitmenschen in Zukunft ein bisschen Eindruck schinden will, kann ja mal ganz unauffällig einen Geviertstrich oder einen Asterismus einfließen lassen. Wie es richtig geht, wisst ihr ja jetzt. Und jetzt komme ich zum Punkt.

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