Getränkekarte erstellen: In 7 Schritten zur professionellen Getränkekarte

von Patrick Schady

Eine professionell erstellte Getränkekarte ist weit mehr als eine einfache Auflistung von Getränken. Sie ist ein strategisches Verkaufsinstrument, ein Aushängeschild der Gastronomie und ein zentraler Faktor für Umsatzsteigerung, Markenwirkung und Gästezufriedenheit.

Im Folgenden zeigen wir Dir im Detail, wie eine Getränkekarte erstellt wird, die sowohl optisch als auch inhaltlich überzeugt und gezielt Kaufentscheidungen beeinflusst.


Das Wichtigste in Kürze:

  • Getränkekarten beeinflussen Umsatz in Sekunden: Gäste treffen ihre Auswahl sehr schnell – eine klar strukturierte, psychologisch aufgebaute Getränkekarte steigert nachweislich den durchschnittlichen Bonwert und reduziert Entscheidungsstress.
  • Menu Engineering statt schöner Optik: Zielgruppenanalyse, verkaufsstarke Beschreibungen, visuelle Hierarchie („Golden Triangle“) und strategische Preisplatzierung (z. B. ohne €-Symbol, Ankerpreise) lenken den Blick gezielt auf margenstarke Getränke.
  • Design, Recht & Zukunft zusammendenken: Lesbare Typografie, konsistente Farben, rechtssichere Angaben nach PAngV (Endpreise, Mengeneinheiten, Allergene) sowie ein Hybrid aus physischer und digitaler Getränkekarte sichern Professionalität, Flexibilität und langfristigen Erfolg.

Warum ist eine gute Getränkekarte wichtig?

Die Getränkekarte ist oft der erste Berührungspunkt zwischen Gast und Angebot. Innerhalb weniger Sekunden entscheidet sich, ob ein Getränk bestellt wird oder nicht. Eine klar strukturierte, logisch aufgebaute und visuell ansprechende Getränkekarte sorgt für Orientierung, Vertrauen und steigert den durchschnittlichen Bonwert messbar.

Wesentliche Erfolgsfaktoren:

  • Übersichtlichkeit und Lesbarkeit
  • Psychologisch optimierte Reihenfolge
  • Gezielte Hervorhebung margenstarker Getränke
  • Passende Sprache und Tonalität
  • Konsistentes Design mit Wiedererkennungswert

Getränkekarte in 7 Schritten erstellen

Das Design der Getränkekarte ist ein funktionales Element, das die Markenidentität transportiert und die Lesbarkeit optimiert. Es geht nicht primär um Ästhetik, sondern um die Schaffung einer visuellen Hierarchie, die den Blick des Gastes gezielt auf die profitabelsten Artikel lenkt. Das Layout muss die Positionierung deines Betriebs widerspiegeln, von der Materialwahl bis zur Farbpalette.

1. Zielgruppenanalyse als Grundlage beim Getränkekarte erstellen

Bevor wir eine Getränkekarte erstellen, definieren wir präzise die Zielgruppe. Ein gehobenes Restaurant spricht anders als eine Bar, ein Café oder ein Hotelbetrieb. Sprache, Auswahl und Preisstruktur müssen exakt auf die Gäste abgestimmt sein.

Entscheidende Kriterien:

  • Altersstruktur der Gäste
  • Konsumgewohnheiten
  • Anlass des Besuchs (Business, Freizeit, Event)
  • Preisbereitschaft
  • Regionale Erwartungen

Eine zielgerichtete Getränkekarte wirkt authentisch, kompetent und verkaufsfördernd.

2. Aufbau einer professionellen Getränkekarte

Eine optimale Struktur folgt einer klaren Logik. Wir empfehlen folgende bewährte Reihenfolge:

1. Alkoholfreie Getränke

  • Mineralwasser (still, medium, sprudelnd)
  • Softdrinks
  • Säfte und Schorlen
  • Hausgemachte Limonaden

2. Warme Getränke

  • Kaffeevariationen
  • Teeauswahl
  • Spezialitätengetränke

3. Bier

  • Fassbiere
  • Flaschenbiere
  • Regionale und saisonale Sorten

4. Wein

  • Offene Weine
  • Flaschenweine
  • Weißwein, Rotwein, Rosé, Schaumwein

5. Spirituosen

  • Klassiker
  • Premiumsorten
  • Digestifs

6. Cocktails & Signature Drinks

  • Klassiker
  • Hauskreationen
  • Alkoholfreie Cocktails

Diese Struktur führt den Gast intuitiv durch das Angebot und reduziert Entscheidungsstress.

3. Getränkebeschreibungen mit verkaufsstarker Sprache

Die Art der Beschreibung entscheidet über den Erfolg. Statt nüchterner Aufzählungen nutzen wir emotionale, sensorische und präzise Formulierungen.

Beispiel:

  • Statt: Gin Tonic
  • Besser: Feinherber Premium-Gin mit ausgewählten Botanicals, serviert mit mediterranem Tonic und frischer Zitrusnote

Effektive Beschreibungen:

  • Aktivieren Vorstellungskraft
  • Erhöhen Wertwahrnehmung
  • Rechtfertigen höhere Preise
  • Fördern Zusatzverkäufe

4. Farbwahl

Farben lösen Emotionen aus – das ist wissenschaftlich bewiesen. Rot und Orange können den Appetit und den Durst anregen, während Blau eher beruhigend wirkt (aber in der Gastronomie seltener für Lebensmittel genutzt wird). Grün assoziieren wir mit Frische und Gesundheit – perfekt für Smoothie-Bars oder Bio-Konzepte.

Gold und Schwarz strahlen Luxus und Exklusivität aus. Überlege Dir genau, welche Botschaft Du senden willst. Deine Farbwahl sollte sich wie ein roter Faden durch Dein gesamtes Lokal ziehen, von der Wandfarbe bis zur Serviette und eben auch auf deiner Getränkekarte.

5. Schrift

Die Wahl der Schriftart muss die Lesbarkeit unter den oft gedämpften Lichtverhältnissen der Gastronomie gewährleisten. Komplexe, verschnörkelte Schriften (wie manche Schreibschriften) sind zu vermeiden. Setze auf klare, gut lesbare Typografie mit ausreichendem Kontrast zur Hintergrundfarbe. Nutze zudem unterschiedliche Schriftgrößen und Schriftschnitte (fett, kursiv), um die Hierarchie der Informationen zu definieren: Produktnamen müssen sofort erfassbar sein.

6. Visuelle Hierarchie

Studien zum Blickverhalten (Eye-Tracking) zeigen, dass der Blick des Gastes nicht linear verläuft. In der Regel werden die obere rechte Ecke, die Mitte und die obere linke Ecke zuerst gescannt (das sogenannte „Golden Triangle“).

Platziere deine margenstärksten Produkte strategisch in diesen Zonen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie zuerst wahrgenommen und bestellt werden. Visuelle Elemente wie Rahmen, dezente Icons oder eine andere Hintergrundfarbe können ebenfalls zur Lenkung des Blicks eingesetzt werden.

7. Preisgestaltung und Platzierung mit psychologischem Effekt

Eine erfolgreiche Getränkekarte erstellen bedeutet auch, Preise strategisch zu platzieren. Wir verzichten bewusst auf Währungszeichen und runde Zahlen, um Preissensibilität zu reduzieren.

Bewährte Maßnahmen:

  • Keine Preis-Spalten
  • Dezente, kleinere Schriftgröße für Preise
  • Hochpreisige Produkte als Anker platzieren
  • Margenstarke Getränke visuell hervorheben

So lenken wir den Blick gezielt und steigern den Umsatz ohne Druck.

Ankerpreis-Strategie zur Relativierung von Kosten

Der Ankereffekt ist ein mächtiges psychologisches Werkzeug. Platziere einen sehr hochpreisigen Artikel (den Anker) an prominenter Stelle, auch wenn dieser selten verkauft wird.

Im Vergleich zu diesem Anker erscheinen die nachfolgenden, profitablen Artikel in der mittleren Preisklasse als deutlich günstiger und attraktiver. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Eliminierung des Währungssymbols (€). Die alleinige Angabe der Zahl reduziert die Assoziation mit dem Schmerz des Geldausgebens und führt nachweislich zu einer höheren Ausgabebereitschaft.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Compliance

Die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften ist ein nicht verhandelbarer Aspekt bei der Erstellung deiner Getränkekarte. Verstöße gegen die Preisangabenverordnung (PAngV) oder die Kennzeichnungspflicht können zu empfindlichen Bußgeldern und Abmahnungen führen. Compliance schafft Vertrauen beim Gast und schützt deinen Betrieb vor unnötigen Risiken.

Einhaltung der Preisangabenverordnung (PAngV) und Kennzeichnungspflicht

Nach der PAngV müssen alle Preise als Endpreise ausgewiesen werden, d.h. inklusive Mehrwertsteuer und Bedienungsgeld. Zudem ist die Angabe der Mengeneinheit (z.B. 0,2l, 0,5l) zwingend erforderlich. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Kennzeichnung von Zusatzstoffen und Allergenen.

Diese Informationen müssen für den Gast leicht zugänglich sein. Dies kann über Fußnoten auf der Karte oder durch den Verweis auf eine separate, jederzeit einsehbare Allergen- und Zusatzstoffliste erfolgen. Die korrekte Umsetzung dieser Pflichten ist ein Zeichen professioneller Betriebsführung.

Digitale und physische Karten: Ein zukunftsorientierter Hybridansatz

Die Digitalisierung hat die Präsentation von Getränkekarten revolutioniert. Digitale Karten (via QR-Code) bieten eine unschlagbare Flexibilität bei Preisänderungen, Bestandsanpassungen und der Integration von visuellen Inhalten. Sie ermöglichen eine dynamische Preisgestaltung und reduzieren die Druckkosten. Dennoch schätzen viele Gäste die Haptik und die Wertigkeit einer physischen Karte.

Ein strategischer Hybridansatz, der eine hochwertige, kuratierte physische Karte für das Kerngeschäft mit einer digitalen Lösung für tagesaktuelle Angebote oder die umfangreiche Weinkarte kombiniert, stellt oft die effizienteste Lösung dar.

Fazit: Die Getränkekarte als strategischer Erfolgsfaktor

Die Erstellung einer Getränkekarte ist ein strategischer Prozess, der weit über die reine Auflistung von Produkten hinausgeht. Durch die Anwendung von Menu Engineering, die Beachtung von Designprinzipien und die Einhaltung rechtlicher Standards transformierst Du Deine Karte in ein effektives Instrument zur Umsatzoptimierung.

Eine professionell gestaltete Karte steigert die wahrgenommene Qualität Deines Angebots, lenkt die Kaufentscheidungen Deiner Gäste und sichert langfristig den wirtschaftlichen Erfolg Deines Gastronomiebetriebs.

FAQ zu Getränkekarte erstellen

1. Wie oft sollte die Getränkekarte neu gestaltet werden?

Eine vollständige Neugestaltung ist in der Regel alle 2-3 Jahre sinnvoll. Saisonale Anpassungen (z.B. Sommer- und Winterkarte) sollten jedoch mindestens zweimal jährlich erfolgen, um aktuelle Trends und saisonale Verfügbarkeiten optimal zu nutzen.

2. Ist es ratsam, Währungssymbole (€) wegzulassen?

Ja, aus psychologischer Sicht ist dies ratsam. Studien im Menu Engineering belegen, dass das Weglassen des Währungssymbols die Preissensibilität der Gäste reduziert und die Ausgabebereitschaft erhöht. Es sollten lediglich die reinen Zahlen angegeben werden.

3. Wie viele Artikel sollte eine Kategorie maximal umfassen?

Um das „Paradox of Choice“ zu vermeiden und die Entscheidungsfindung zu erleichtern, sollten Kategorien idealerweise 7 bis maximal 10 Artikel umfassen. Dies gewährleistet eine schnelle Orientierung und verhindert eine Überforderung des Gastes.

4. Welche Rolle spielen Bilder auf einer professionellen Getränkekarte?

In der gehobenen Gastronomie sind Bilder oft kontraproduktiv, da sie die Exklusivität mindern können. In lockeren Konzepten (Cafés, Bars) können hochwertige, professionelle Bilder von Signature Drinks jedoch den Absatz dieser margenstarken Produkte signifikant steigern.

5. Wie integriere ich die rechtlich notwendigen Kennzeichnungen, ohne das Design zu stören?

Die gängige und professionelle Methode ist die Verwendung von Fußnoten (z.B. Ziffern oder Buchstaben) neben den Artikeln, die auf eine separate, übersichtliche Liste am Ende der Karte oder auf einer separaten Seite verweisen. Dies erfüllt die Compliance-Anforderungen, ohne das Layout zu überladen.

Patrick Schady

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